Riga im Schnee
Riga im Schnee – ein Wochenende, kälter als geplant
Als ich ankam, war ich selbst überrascht, wie kalt es wirklich war. Ich hatte mir Riga im Winter gewünscht, aber nicht ganz realisiert, was richtig kalt im Jänner bedeutet. Vor Ort habe ich mich mehr als einmal nach dem Grund gefragt – warum genau ich mir eingebildet habe Riga unbedingt im Schnee sehen zu wollen.
Es war laut Einheimischen das kälteste Winterwochenende bisher. Und genau diese Temperaturen haben der Stadt eine Ruhe und Klarheit gegeben, die ich so nicht erwartet hatte.
Altstadt im Winter – leise Wege und große Fassaden
Unser erster Tag in der Altstadt begann mit Schnee unter den Füßen und fast niemandem auf den Straßen. Die meisten Cafés und Restaurants wirkten warm und einladend, aber draußen war es still. Nicht belebt, sondern ruhig und leer. Ohne Ablenkung konnte man genau hinsehen und Eindrücke sammeln: die Fassaden, die Kirchtürme, die Plätze und diesen ganz eigenen (in dem Moment sehr ruhigen) Vibe der Stadt.
Riga ist geprägt von Architektur aus ganz unterschiedlichen Epochen – gotische Türme, Barockfassaden, Bauhausdetails und mittelalterliche Gassen, die sich immer wieder neu öffnen. Über allem schwebt der Blick zur Petri Kirche. Von oben zeigt sich die Altstadt in ihrer ganzen Struktur: die roten Dächer, die engen Straßen, die Nähe zum Wasser. Der Schnee legt sich wie eine ruhige Schicht darüber und macht sichtbar, wie kompakt und zugleich vielfältig die Stadt gebaut ist.
Von dort oben fällt der Blick auch weiter hinaus, über die Daugava hinweg, zur Nationalbibliothek. Dieses moderne, markante Gebäude wirkt wie ein bewusster Gegenpol zur historischen Altstadt. Dazwischen die Brücke, die beide Seiten verbindet. Von oben zeigt sich Riga als Stadt mit sehr unterschiedlichen Ebenen, die nebeneinander bestehen.
Das Kopfsteinpflaster, so hübsch es aussieht, war trotz Räumung an vielen Stellen noch etwas glitschig. Schritt für Schritt ist man hier im Winter langsam unterwegs – gezwungenermaßen, aber passend zur Stimmung.
Raus ins Umland – Wald, Hunde und Bewegung
Am zweiten Tag fuhren wir etwa 40 Minuten aus Riga hinaus Richtung Ogre, weg von der Stadt, in eine sehr ruhige, verschneite Landschaft. Der Spaziergang durch den Wald war kein touristisches Highlight, sondern winterliche Stille. Keine lauten Geräusche, nur das Knirschen unter den Schuhen und dieser Moment, in dem man automatisch langsamer wird.
Wir hatten eine Hundeschlittenfahrt gebucht. Die Tiere waren unglaublich freundlich und präsent. Echtes Interesse an den Besuchern, Nähe, Reaktionen auf jedes Wort und spürbare Freude. Die Fahrt selbst war sensationell – nicht super schnell, sondern eher ein ruhiges Gleiten mit Hunden, die sichtlich glücklich waren, laufen zu dürfen. Besonders berührt hat mich, dass sie immer wieder einen Blick zurückgeworfen haben, um zu prüfen, ob bei uns eh alles passt.
Nach der Fahrt konnten wir noch mit den Huskys und Malamutes kuscheln und spielen. Die Hunde, die auf ihre nächste Runde warten mussten, haben immer wieder geheult – voller Erwartung, weil sie los wollten. Trotz minus 11 Grad, gefühlt minus 19, war es ein großartiges Erlebnis, das mir sicher lange in Erinnerung bleiben wird.
Essen, Trinken, Eindrücke
Kulinarisch war Riga besser, als ich erwartet hatte. Bodenständig, aber durchaus überraschend in der Umsetzung. Nach so vielen Stunden draußen in der Kälte tat das richtig gut.
Ein Getränk, das mir besonders geblieben ist, ist der Schwarze Balsam – ein bitterer, kräftiger Kräuterlikör mit Johannisbeere, der hier Tradition hat und im Winter oft getrunken wird. Die Letten sagen, das sei wahre Medizin nach langen Tagen in der Kälte. Das glaubt es ihnen sofort.
Was mir ebenfalls aufgefallen ist: Kommunikation funktioniert problemlos. Viele sprechen sehr gut Englisch, überraschend viele auch Deutsch. Das macht das Ankommen und das Unterwegssein unkompliziert und entspannt – gerade in einer Stadt, die man nicht jeden Tag auf dem Radar hat.
Wenn du Lust hast, noch mehr Reisen zu lesen, bei denen es weniger um Sehenswürdigkeiten und mehr um Stimmung, Orte und Eindrücke geht, findest du weitere Reiseberichte hier im Blog.





















